Bilder im Kopf

In unserer Kommunikation greifen wir im Austausch mit anderen auf das zurück, was wir an Erfahrungen in unserem Gedächtnis gespeichert, in früherer Zeit gelernt haben. Um diese Erfahrungen anzureichern und damit unser Repertoire an Kommunikationsmöglichkeiten zu erweitern, braucht es eine Offenheit für Neues und die Bereitschaft, die eigenen Handlungs- und Verhaltensoptionen immer wieder zu ergänzen.

Unbekanntes erschließen wir uns dabei auf vielfältigem Wege. Lernen wir dieses Unbekannte von anderen, so nutzen diese ihre Erfahrung und ihr Repertoire, um ein „Ding“ uns bekannt zu machen und wir versuchen, uns dieses Dingliche anzueignen.

Dieses noch unbekannte, neue, korrespondiert mit unseren eigenen Erfahrungen. Wir suchen in unserer Kiste, welche Erfahrungen denn am ehesten mit der neuen verglichen, ergänzt, ersetzt oder erklärt werden kann. Wir suchen in unserer Kiste, in unserem Erfahrungsschatz, nach Bildern.

 

Metaphern als Instrument

Im Austausch ist eine Metapher ein oft genutztes Stilmittel, einen Ausdruck oder Sachverhalt zu umschreiben. Ein nicht greifbares Ding wird angereichert, um ein Bild im Kopf zu erzeugen. Der „Erfahrungsschatz“ aus dem vorherigen Satz ist auch eine Metapher: Verbinden wir doch den kognitiven Prozess des Erlernens mit einem Schatz, den wir uns in allen Kulturen sicherlich zumeist gleich vorstellen. Unser Erfahrungsschatz ist dann gar gleich unser Reichtum, den wir mit neuen Erfahrungen noch vergrößern.

Metaphern erzeugen Bilder im Kopf. Einige sind Gleich mit denen unseres Gegenübers, andere sicherlich völlig different. Metaphern erleichtern die Kommunikation, sind eine bildhafte Sprache. Der „riesige Berg Arbeit“ vermag ein Gefühl dafür vermitteln, wie sich ein Mitmensch belastet fühlt und bedarf wenig Interpretation. Ein „Madeleine sieht aus wie ein Supermodel“ erzeugt auch Bilder einer unbekannten Person, sofern zwischen den Menschen ähnliche Attribute für ein Model vereinbart sind. Ein „märchenhafter Augenblick“ macht es aber schon schwerer: Was ist für mich märchenhaft, was für den anderen?

Metaphern – oder: bildhafte Sprache – können auch wirklich, absichtlich beeinflussend eingesetzt werden. Gerade in gesellschaftlichen Diskursen vereinfachen Metaphern komplexe Sachverhalte, inkludieren und exkludieren. Das können einfache Worte sein, wie ein „Mob“ für eine Ansammlung von Menschen mit bestimmten Absichten. Das können Umschreibungen sein wie eine „Welle“ für eine Anzahl von Menschen mit projezierten Ängsten.

Wie sehr uns Metaphern bestimmen können, haben Wissenschaftler in vielen Experimenten bestimmt. Die Psychologin Lera Boroditsky von der Stanford University beispielsweise legte Versuchtsteilnehmern zwei Versionen eines Textes vor, in welchem die problematische Kriminalität in der fiktiven Stadt Addison behandelt wurde. Die beiden Versionen unterschieden sich nur im ersten Satz: Einmal wurde die Kriminalität als „wildes Tier“ tituliert, einmal als „Virus“. Die Versuchsteilnehmer sollten nach dem Lesen Ideen entwickeln, wie der Kriminalität in dieser Stadt begegnet werden könnte.

Die Teilnehmer, denen Kriminalität als wildes Tier beschrieben wurde, schlugen einen stringenteres Vorgehen gegen die Kriminellen vor und wollten sie verfolgen, zu Gefängnisstrafen verurteilen und schärfere Gesetze erlassen. Die anderen, welchen Kriminalität als Virus beschrieben wurde, plädierten für einen sanfteren Weg und wollten die Ursachen der entwickelten Kriminalität erforschen, Armut bekämpfen und die Bildung verbessern.

 

Reflexion der eigenen Bilder

Allzu schnell erliegen wir heute den machtvollen Metaphern als Insturment der Beeinflussung. Nicht nur die Werbung bedient sich dieses Stilmittels, auch im täglichen Miteinander und besonders in öffentlichen Debatten begegnen uns Metaphern doch allzu oft als Instrument der Vereinfachung, besonders in einem populistischen Gebrauch.

Diese Vereinfachung, Zuspitzung und immer öfter falsche Darstellung von Sachverhalten schafftt ein Klassen- und Milieudenken, was kurzfristig dem Eigenen dient, nicht aber dem Ganzen. Nicht der Mehrheit einer Bevölkerung oder der Mehrheit einer Notwendigkeit. In unserer Zeit kommt die sachgemäße, natürliche Auseinandersetzung mit Dingen, Themen und Personen zu kurz. Die Verdichtung und Kompensierung unserer Zeit und unseres Zusammenlebens schafft Raum für falsche Tatsachen. So lässt man sich leicht zu einer Meinung, Haltung oder Aussage instrumentalisieren, die aber einer tieferen Betrachtung bedarf, bevor sie unseren Mund verlässt. Es ist hilfreich für die individuelle und gesellschaftliche Entwicklung, Metaphern maßvoll zu nutzen und die eigenen Bilder zu reflektieren – und über die Bilder in den Austausch zu kommen.

Die Natur erleben und eine Wurzel finden

Auf Facebook kann man auf der Seite „Places to see before you die“ täglich wunderbare Bilder von den schönsten (inszenierten) Orten unseres Planeten bewundern. Diese Bilder greifen eine bewusste Stimmung aus diesen Szenerien auf: Sie zeigen unsere Welt, insbesondere unsere Natur, von ihrer besten Seite und machen Lust auf mehr. Einige dieser Aufnahmen laden einfach nur dazu ein, einmal etwas anderes sehen zu können und kurz inne zu halten.

 

Diese fernen Orte zeigen die Vielfalt, die uns unser Planet jeden Tag erneut zur Verfügung stellt. Auch in unserer jeweiligen Heimat und für einige sicherlich auch in direkter Nachbarschaft gibt es viele wunderbare Orte, die wir bereits entdeckt haben oder noch entdecken dürfen. Auch wenn wir unsere Heimatregion kennen, hier aufgewachsen sind und viele wichtige, auch für die Touristen attraktive Orte bereits oft besucht haben, so können sie dennoch immer wieder von neuem uns eine neue Sichtweise eröffnen und sich in einem anderen Blickwinkel eröffnen – wenn wir dafür bereit sind. Besonders im Wechsel der Jahreszeiten und in den Morgen- oder Abendstunden zeigen sich uns die „schönen Flecken“ in unterschiedlicher Pracht.

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Am Anfang war das Wort – Das Wort als schöpferische Kraft

Im Johannesevangelium lesen wir: „Im Anfang war das Wort.“ und „Alles ist durch das Wort geworden.“

Nicht nur im christlichen Glauben spielt das Wort eine gewichtige Rolle: Gott ist das Wort, das Wort war Gott. Ohne Wort ist alles nichts. Durch das Wort hat Gott unsere Welt geschaffen.

Das Wort ist elementarer Bestandteil unserer Sprache. Unsere Sprache ist unser wichtigstes Mittel, um in Dialog mit unseren Mitmenschen zu kommen, um Dingen einen Namen zu geben, um unsere Welt zu konstruieren. Wir können nur interagieren, wenn wir ein Verständnis über eine Sprache haben und mit Menschen zusammenkommen, welche gleiches oder ähnliches unter dieser Sprache verstehen. Selbst wenn wir nicht sprechen könnten und uns möglicherweise nur durch Gesten oder Gebärden mitteilen können, ist ein Sprachverständnis notwendig. Unsere Gedanken werden zu Worten. Werden sie verbalisiert, werden sie zu einer Handlung. Gesten und Gebärden können nur zu einer Handlung werden, wenn ihnen ein Sprachverständnis zugrunde liegt, auch wenn dies nur auf einer kognitiven Ebene verarbeitet werden kann.

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