Spiritualität und Religiösität in Beratung und Coaching

16-08-05-3-Pixabay-Wald-Sonnenstrahlen

Spiritualität ist ein sehr persönliches Thema. Jeder Mensch macht eigene, sensible Erfahrungen. Selbst Menschen einer gleichen Glaubensgemeinschaft leben ihren Glauben individuell und erzeugen so eine Vielfalt innerhalb von Gemeinschaften. Da Spiritualität kein Wissen ist, sondern Glauben, ist der respektvolle, wertschätzende Umgang im Miteinander notwendig. Im alltäglichen Miteinander und somit auch in Beratung und Coaching.

 
Was ist Spiritualität und Religiösität?

Nie zuvor war Spiritualität so vielfältig wie heute. Neben den großen Glaubensgemeinschaften, den Religionen, finden wir heute eine Vielzahl an neuen Formen spirituellen Lebens und Wirkens. Dazu kommt eine Vermischung verschiedener, bisher einer Gemeinschaft oder Religion klar zugehöriger, Praktiken und eine Separation dieser von ihren Ursprüngen, bspw. fernöstlicher Glaubenshaltungen in die westliche Lebensweise.

So individuell Spiritualität ist, so wichtig ist auch ein Verständnis darüber, was Spiritualität oder Religiösität für einen jeden und im gesellschaftlichen Diskurs bedeutet.

Spiritualität vom lateinischen spiritus – Geist, meint dabei eine Beschäftigung und Haltung zu etwas Geistigem, etwas Transzendenten hin, einer höheren oder tieferen Verbundenheit, welche logisch bzw. wissenschaftlich nicht erklärt werden kann. Spiritualität ist dabei mit wesentlichen Fragen des Lebens verbunden, die sich nur auf eine philosophische Art und Weise erklären lassen und die Verbindung mit einer transzendenten Wirklichkeit sucht. Die Existenz des Menschen und die Suche nach Antworten können dabei mit einer rein weltlichen, materiellen, logischen Betrachtung nicht befriedigend erklärt werden. Die Individuation des Menschen, das “Selbst werden”, geht dabei über eine weltliche Betrachtung hinaus.

Religiösität ist eine individuelle, spirituelle Haltung, Hinwendung und praktische Anwendung einer als für sich persönlich stimmig empfundenen Religion, ein Gottesbezug und/oder damit verbundenen philosophischen Ausrichtung.

Im allgemeinen Sprachgebrauch wird Religiösität daher auch mit der erkennbaren Praktizierung einer Religion gebraucht, während Spiritualität als eine sich davon abgrenzende Einstellung und Praktizierung versteht.

Der Gebrauch des Begriffes Spiritualität kann dann individuell im Leben genutzt und mit Leben gefüllt werden und Um- und Beschreibungen erfahren wie Esoterik, New Age, Geist-, Licht- oder Heilarbeit. Selbst der Atheismus kann als eine spirituelle Haltung gesehen werden.

 

Spiritualität und Religiösität in Beratung und Coaching

Menschen fragen seit jeher nach ihrem Woher, Wohin und Warum. In individueller Form und Tiefe. Menschen fragen in Beratung und Coaching zu einem bestimmten Lebensbereich oder einer Fragestellung nach dem Wohin, Wie oder Warum und nutzen dabei die Form des Gesprächs mit einem neutralen Blick von außen als Hilfestellung. Sie nutzen Beratung und Coaching als Orientierung, ebenso, wie Spiritualität und Religiösität Orientierung geben, um einen Sinn zu finden und Werte zu erfahren. Selbst im Arbeitskontext und im beruflichen Coaching kann dieser Bereich heute nicht mehr ausgeblendet werden, da Menschen in ihrer Arbeit immer mehr nach Sinnerfüllung und dem Eingebundensein in einen größeren Zusammenhang suchen, den man mit rein profanen Ansätzen kaum begegnen kann.

In Beratung und Coaching ist Spiritualität und Religiösität ein sehr sensibles Thema. Kaum in einem anderen Bereich wird hier auch der Berater und Coach so persönlich tangiert, gleichgültig, ob er selbst ein spirituelles Leben pflegt oder nicht. Wer in Beratung und Coaching von einem ganzheitlichen Betrachtung des Menschen bzw. Klienten spricht, kann diesen Teil nicht ausblenden. Liegen hier selbst sehr sensible Erfahrungen vor und gelingt es dem Berater und Coach nicht sich abzugrenzen, ist eine hilfreiche Begleitung für den Klienten nicht möglich.

Besonders aus einer ressourcenorientierten Haltung heraus, wie in der professionellen Arbeit und in sicherlich allen Ansätzen vorhanden, ist eine Nichtbeachtung der spirituellen Haltung eines Klienten schon gar nicht möglich. Menschen suchen gerade in Spiritualität und Religiösität einen Halt, um Antworten, Unterstützung und somit Ressourcenförderung zu erfahren. Sofern diese Haltung dem Menschen nicht schadet, bspw. durch eine falsch verstandene spirituelle Weise, Macht- oder Hilfsmissbrauch, ist dieser für den Klienten sehr wichtige Bereich als Ressource in die Begleitung und den Gesprächsprozess wertschätzend, verstehend auf Augenhöhe zu integrieren. Stellt sich heraus, dass die spirituelle Lebensweise des Klienten Bestandteil seiner Problemlage ist, so ist eine sehr vorsichtige und feinfühlige Hinführung notwendig.

Von Seiten des Beraters und Coach bedarf es einer Kenntnis der spirituellen Hintergründe des Klienten. Zum Aufbau einer fördernden Beziehung ist es gar hilfreich, wenn der Klient diesen Hintergrund und seine Beweggründe erklären kann. So fühlt er sich nicht nur an- und ernstgenommen, der Berater und Coach erhält zugleich noch wichtige Informationen über den Klienten, seiner Biographie und wichtige Kenntnisse über eine spirituelle oder religiöse Ausrichtung und Gemeinschaft. Hat der Berater oder Coach selbst den gleichen Hintergrund und hat ihn der Klient möglicherweise auch aus Kenntnss dessen heraus gewählt, kann mit Einverständnis des Klienten die Praktizierung aktiv in die Gespräche integriert werden. Methoden und Rituale der Spiritualität oder Religion stehen dann als zusätzliche Ressource zur Verfügung.

Wie denken Sie dazu? Wie sind Ihre Erfahrungen?

Benachrichtigungen für:
avatar
wpDiscuz