Über Ambivalenzen und individuelle Konstruktionen

Auf Carl-Gustav Jung zurück geht der Prozess der „Individuation“: Das ist ein nicht-finaler, lebenslanger Prozess, in welchem sich der Mensch im Verlauf seines Lebens entwickelt und erst durch mehr und mehr vorhandene Reife sein Selbst erforschen, erfahren (Selbstwirksamkeit) und somit entfalten kann. Der Mensch ebnet so seinen Weg vom Individualbezug als Kind zum Kollektivbezug als Jugendlicher und Erwachsener: Er sucht sich seinen Platz in der Gemeinschaft.

 

Wie gestaltet sich unser individuelles und kollektives Leben?

Wir konstruieren als Gemeinschaft unsere Wirklichkeit: Es gibt eine bewusst und unbewusst herbeigeführte gesellschaftliche Norm über und Deutung von Etwas. Es gibt Werte, Systeme, als normal geltende Verhaltensweisen. So arrangieren wir unser menschliches Zusammenleben.

Wir konstruieren als Individuum unsere Wirklichkeit: Es gibt eine bewusst und unbewusst herbeigeführte individuelle Norm über und Deutung von Etwas. Wir haben Meinungen, Vorurteile, Reaktionsmuster. So arrangieren wir unser Zurechtkommen mit anderen.

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Relative Macht

Zum Thema Macht haben sicherlich viele Menschen ein ambivalentes Verhältnis, da ihr zunächst eine negative Deutung zukommt. Macht gilt oft als etwas Unheimliches oder etwas Anrüchiges.

So wird Macht oft gleichgesetzt mit der „Kraft des Stärkeren“, mit Macht im Hierarchieverständnis, in Unternehmen oder Staatsformen. Selbst in der Familie und im Freundeskreis treffen wir auf Machtverhältnisse: Wir sind konfrontiert mit Verhältnissen, die sich auf Stärke, Größe, Alter, Wissen, eine Funktion oder Status beziehen. Doch schauen wir bei uns selbst: Auch von uns geht Macht aus, an sich in jeder alltäglichen Interaktion.

 

„Der Mensch ist denselben Gesetzen unterworfen wie die Natur. Macht und Freiheit sind identisch.“
– Karl Marx

 

Um sich dem Thema „Macht“ zu nähern, kann Heinrich Popitz, ein deutscher Soziologe, weiterhelfen, welcher zu sozialen Normen, sozialen Rollen und Gewalt geforscht hat.

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Wie der Mensch Wirklichkeit entwickelt: Gesellschaftlicher Konstruktivismus

Ihren Ursprung finden die Überlegungen zur „gesellschaftlichen Konstruktion“ bei Helmuth Plessner und Arnold Gehlen, deutsche Philosophen und Begründer der „Philosophischen Anthropologie“ – einer Schule, die sich mit dem Wesen der Menschen befasst. Sie kommt zur Erkenntnis, dass Menschen weltoffen sind, ihre Welt und sie selbst sind biologisch nicht festgelegt oder statisch. Im Vergleich zu Tieren bestimmt er über sein Handeln selbst und ist nicht geographisch gebunden. Der Mensch verfügt über einen Geist, ein Bewusstsein, welches sich aber immer wieder bestätigen muss. Der Mensch muss sich und seine Umwelt selbst sowie mit anderen Menschen, die Teil seiner Umwelt sind, deuten und erschaffen, „konstruieren“. Die daraus entstehenden Konstruktionen müssen ebenso wieder abgesichert werden.

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