Glauben – Einfacher schwieriger.

Es ist schwieriger geworden, sich gläubig bekennen zu können. Es ist schwieriger geworden, an etwas zu glauben. Es ist schwieriger geworden, an etwas glauben zu wollen.

Dabei ist der institutionalisierte Glauben die Herausforderung der Zeit. Spiritualität begegnet uns in unserer individualisierten Welt in vielfältiger Weise. Die Gestaltung eines Glaubens verbunden mit einer Religion ist dabei die Form, die Raum für eine besondere Entwicklung öffnet – positiv wie negativ, weg von wie auch hin zu einem Kern. Doch ist nicht gerade diese Auseinandersetzung ein Keim für einen Glauben, der fester, tiefer und wertvoller werden kann? Kann nicht der, der in der Auseinandersetzung Fragen für sich geklärt hat, auch Antwort geben?

Die Welt ist vermeintlich oberflächlicher, individueller geworden und wird es weiter, weil sie auch komplexer wird. Uns umgeben immer mehr Möglichkeiten und Herausforderungen. Kaum ein Lebensbereich, in welchem wir nicht vielfältigen Möglichkeiten und Versuchungen unterliegen, die jeweils für sich behaupten, die richtigen zu sein. Wir fühlen uns verunsichert. Ob im Berufs- oder Familienleben, in persönlichen oder gesellschaftlichen Fragestellungen: Immer neue Modelle und Theorien suggerieren uns, einen bestimmen Weg einschlagen zu müssen.

Wir können uns darin verlieren.
Oder aber darin festigen.

Vieles von dem, was uns als richtig erscheint (erscheinen muss), überholt sich innerhalb kurzer Zeit von selbst. In den letzten zwanzig Jahren hat sich die Menge und damit die Halbwertszeit unseres verfügbaren Wissens enorm beschleunigt. Immer neue Erkenntnisse dringen in unseren Alltag.

Wichtig ist dabei, Kraft aus sich selbst zu schöpfen. Der Mensch muss ein Vertrauen zu sich selbst entwickeln. Er muss achtsam sein und ein Gespür dafür entwickeln, sich selbst zu vertrauen. Er darf auf seine Intuition hören. Seine Intuition darf geschult werden, auch mit Hilfe von außen. Gefühl kann wie Wissen nachreifen. Es darf wachsen.

Vieles von dem, was uns heutzutage immer wieder neu erscheint, gab es bereits an anderer Stelle. Modelle, Theorien und Methoden werden oft mit anderen Begriffen, vielleicht zeitgemäßeren und besonders aufmerksamkeitswirksameren Begriffen in neue Formen gegossen und beworben.

 

Und Glaube?

Im Grunde bewegt uns alle ein basaler Kern. Unvollständig sei das der Wunsch nach einem gelingenden Leben, eine Umwelt und Gesellschaft, die uns Struktur und Sicherheit gibt, wir sehnen uns nach Annahme, Respekt und Entfaltung, nach einer Welt, in der wir gerne leben und unseren Nachkommen eine ebensolche wünschen.

Wir sind durch viele Kulturen geprägt. Allen Kulturen liegen jahrtausendalte Werte und Haltungen zugrunde, die meistens aus Religionen münden oder in Religionen gemündet sind. Die für uns relevante Kultur ist geprägt durch das Christentum, durch römisches und griechisches Erbe, durch die Vielfalt europäischer Kultur.

Das Christentum ist heute weniger en vouge. Scheint zumindest so. Es scheint Orientierung verloren zu haben und kann dabei weniger Orientierung geben. Doch ist da auch die Chance: Eine Religion muss heute eine freie Religion sein. Sie braucht reflektierte, aus sich selbst heraus Ja sagende Menschen. Nur wer sich mit seinem Glauben und seiner Religion auseinandersetzt, kann diesen Weg gehen.

Wie in anderen Kulturen, Ordnungen, Gemeinschaften und Religionen gibt es auch im Christenum verschiedene Richtungen. Es gibt es nicht nur „die“ eine katholische und protestantische Kirche, innerhalb existieren wiederrum verschiedene Strömungen, die eine Vielfalt im Glauben ermöglichen. Sie halten ihn in Bewegung. So viele Menschen sich auch intensiv mit ihrem Glauben auseinandersetzen, so viele Strömungen kann es auch geben.

Das kann Menschen, die schon orientierungslos sind, noch mehr desorientieren. Dabei eint jedoch die Grundbotschaft. In einer komplexeren Welt wird es auch komplexer, diese Grundbotschaft zu leben – und zu vermitteln.

Wie denken Sie dazu? Wie sind Ihre Erfahrungen?

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