Ist individuell „gutes Leben“ vergleichbar?

Was ist ein qualitativ gutes Leben? Jeder Mensch würde eine solche an ihn gerichtete Frage unterschiedlich beantworten, an unterschiedlichen Kriterien festmachen und diese auch unterschiedlich gewichten: Wir alle bewerten unser Leben aus persönlichen Erfahrungen, unserer Einstellung und Empfindung darüber.

Und so ist eine Antwort auf diese Frage auch eines: höchst individuell. Doch wie lässt sich diese Frage mit ihren Antworten skalierbar oder vergleichbar machen? Eine Möglichkeit mögen dabei die Lebensbereiche sein, welche im Ansatz der sinn- und wertvollen Lebensgestaltung eine zentrale Rolle spielen.

Neben den im Ansatz verwendeten Bereichen Organisation, Persönliches, Familie und Wohnen, Arbeit und Leistung, Aktivitäten und Soziales, Ehrenamt und Engagement sowie Themen und Interessen finden sich in anderen Ansätzen ähnliche Bereiche, die vielleicht eine andere Schwerpunktsetzung oder Herangehensweise haben.

In der Gesundheits- und Arbeitsforschung finden wir zwei ähnliche Kategorisierungen vor: den OECD Better Life Index und das System der Stiglitz-Sen-Fitoussi-Kommission, welche im Auftrag der französischen Regierung untersuchen sollte, wie sich Wohlstand und sozialer Forschritt messen lassen.

 

Der OECD Better Life Index unterscheidet drei materielle und acht qualitative Bereiche:

  • Einkommen und Vermögen
  • Beschäftigungssituation
  • Wohnsituation
  • Gesundheitszustand
  • Bildung und Kompetenzen
  • Wahrgenommene Umweltqualität
  • Gesellschaftliches Engagement
  • Work-Life-Balance
  • Soziale Netzwerke/Gemeinsinn
  • Persönliche Sicherheit
  • Subjektives Wohlbefinden

 

Die Stiglitz-Sen-Fitoussi-Kommission hat im Rahmen ihrer Forschungen diese Bereiche definiert:

  • Materielle Lebensbedingungen
  • Gesundheit
  • Bildung
  • Persönliche Aktivitäten in Beruf und Freizeit
  • Politische Einflussnahme und Kontrolle
  • Soziale Kontakte und Beziehungen
  • Umweltbedingungen
  • Persönliche und ökonomische Unsicherheit

 

Beiden Ansätzen ist gemein, dass sie politische Akteure im Hintergrund ihres Auftrages haben. Damit die Lebenszufriedenheit von Menschen zu erfassen ist sinnvoll, da das Empfinden über die individuelle Lebensqualität bzw. -zufriedenheit zugleich mit der gesellschaftlichen Entwicklung und ihren politischen, sozialen, ökonomischen und ökologischen Auswirkungen zusammenhängt. Die Zufriedenheit einzelner Bürgerinnen und Bürger ist abhängig vom Zustand des gesellschaftlichen Systems, in welchem sie leben.

 

Mit diesen Bereichen lässt sich die subjektive Zufriedenheit einer Person einordnen und mit anderen vergleichbar machen. Sie zeigen auch Haltungen und Kompetenzen auf, die Einschätzung persönlicher Selbstwirksamkeit, die Grenzen der eigenen empfundenen Freiheit. Das lässt sich in Beratung und Coaching nutzen: Wo sieht ein Mensch sich als wirksam, wo gibt es Defizite? Die verschiedenen Bereiche zeigen Abhängigkeiten und Wechselwirkungen auf, die in der Begleitung sichtbar gemacht und reflektiert werden können.

Wie denken Sie dazu? Wie sind Ihre Erfahrungen?

Benachrichtigungen für:
avatar
wpDiscuz