Werte, Sinn und Ziele als Ebenen der individuellen Handlungsorientierung

Organisieren wir unser tägliches Handeln, so richten wir uns hauptsächlich an Zielen aus: Welchen Weg möchte ich nehmen? Was muss ich in den nächsten Tagen erledigen, um das Projekt rechtzeitig abzuschließen? Ziele lassen sich für unsere Lebensbereiche formulieren, machen konkretes Handeln greifbar und sind zumeist situativ. Diese Ziele sind dabei aber nur der erste, sichtbare Teil einer tiefergehenden Betrachtungsweise. Basis dessen, auf welche wir unsere Ziele formulieren und uns entscheiden, sind die bewussten oder unbewussten Werte und unser Sinn.

 

„Die Werte, an die ein Mensch sich hält, die halten ihn.“
– Elisabeth Lukas

 

All unsere Ziele verbindet etwas miteinander. Etwas, das tiefer liegt. Wenn wir uns ein Ziel setzen, setzen wir ein Ziel, welches bei tieferer Betrachtung auf unseren Werten beruht und letztendlich für uns einen Sinn ergeben muss (Input und Output), sonst würden wir einer Sache sicherlich nicht logisch und konsequent folgend nachgehen.

Bei der Suche ergeben sich uns drei Entwicklungs- oder Betrachtungsebenen:

Der Alltag: Hier liegt der Fokus auf unseren Zielen, unserem Tagesablauf – Es erfolgt in der Regel keine tiefere Betrachtung hinsichtlich Sinn und Werten

Veränderungen: Bei größeren Veränderungen im Leben (Arbeitsplatz- oder Berufswechsel, Beziehungen, Planungen für Lebensabschnitte) beschäftigen wir uns natürlich tiefergehend mit diesen Veränderungen. Wir treffen diese Veränderungen auf Basis unserer Erfahrungen und hoffen durch eine Änderung, für die Zukunft durch diese Veränderung auch eine Verbesserung zu erreichen. Dazu zählen zwar auch Ziele, doch basieren die Entscheidungen wesentlich auf den für uns dahinterliegenden Werten (z. B.: Welcher Arbeitsplatz passt zu mir?).

Der Sinn des Lebens: Diese, sozusagen große Frage, ist die dritte und übergeordnete Ebene der Sinn- und Wertsuche. Warum bin ich hier? Warum passiert mir etwas? Wie möchte ich zurückblicken können? Dazu ein Satz, welcher das Dilemma nach der Sinnsuche beschreibt:

 

„Wir können unser Leben nur vorwärts leben, aber auch nur rückwärts verstehen.“
– Sören Kierkegaard

 

Was sind Werte?

Wir können Werte unter zwei Gesichtspunkten verstehen. Zum einen definieren wir etwas mit einem bestimmten Wert. Das anschaulichste Beispiel ist unser Wirtschaftskreislauf: Münzen und Scheine haben einen Wert und dienen als Tauschmittel für etwas, welchem ebenfalls ein Wert zugeschrieben wurde. So verhält es sich mit so gut wie allen Produkten oder Dienstleistungen, welchen ein bestimmter Wert definiert wird. Wir sprechen hier von einer Wertzuschreibung oder auch äußeren Werten. Auch unserer Arbeitskraft wird ein Wert zugeschrieben.

Dazu kommen die inneren Werte. Um diese Werte geht es auch im Sinne einer sinn- und wertvollen Lebensgestaltung. Sie sind nicht physisch „greifbar“, sondern basieren auf Verstehen und Verarbeiten. Wir sprechen dann von Werterfahrungen.

Wollen wir Werte herausfinden, definieren, festlegen oder eingrenzen, so lässt sich daraus sicherlich eine lange Suche und Diskussion schöpfen. Daher lassen sich Werte verschiedenen Kategorien zuordnen, bspw. kulturelle, religiöse, soziale und moralische Werte, aber auch wirtschaftliche, medizinische oder technische Werte. Werte sind so vielfältig wie unsere Welt und wir Menschen. Damit schaffen wir die Verbindung zu uns, unseren persönlichen Werten. Sie speisen sich aus den erstgenannten Quellen und wir machen sie uns zu eigen, überprüfen sie und füllen sie mit unseren Werterfahrungen. Diese prägen widerrum die gesellschaftlichen Werte, weshalb auch immer wieder ein Diskurs über die Werte und Grundhaltungen von Gemeinschaften und Gesellschaften sinnvoll ist.

 

Woher kommen die Werte nun?

Die wesentlichen Quellen unserer Werte können wir erschließen, wenn wir versuchen, unseren Wertekanon zu kategorisieren. Bei uns in Europa greifen wir auf eine vielfältige Werteentwicklung zurück. Unsere Kultur in Deutschland ist wesentlich durch diese jahrtausendealte Kultur, aber auch durch unsere Geschichte geprägt. Betrachten wir unser Land als Gesellschaftssystem, so sind viele unserer Werte im Grundgesetz festgehalten, über welches wir aber erst seit knapp 70 Jahren verfügen. Das Grundgesetz basiert dabei im wesentlichen auf Erfahrungen aus den vorangegangen dunklen Ereignissen unserer Historie.

Europa ist geprägt von der griechischen Philosophie und römischen Kultur. Unsere Demokratievorstellung ist dabei nichts anderes als ein Wertesystem. Aus der griechischen Philosophie entstammen die für uns wichtigen Werte Klugheit, Gerechtigkeit, Tapferkeit und Besonnenheit. Lange Zeit speiste sich die deutsche Kultur von preußischen Tugenden wie Aufrichtigkeit, Bescheidenheit, Fleiß, Sparsamkeit, Zuverlässigkeit und Tapferkeit.

So lässt sich der Ursprung unserer Werte fortsetzen. Diese unterliegen dabei natürlich einer Veränderung und Weiterentwicklung. Oftmals beklagen wir uns über einen Werteverlust und meinen hierbei den Umgang mit unseren Werterfahrungen oder – etwas neutral betrachtet – der subjektiven Interpretation von Werten, z. B. einer aktuellen Generation.

 

Werte und Lebenssinn

Um Werte für sich anschaulich machen zu können und mit ihnen einen Sinn im alltäglichen Handeln, aber auch einen übergeordneten Lebenssinn zu ergründen, hilft eine Einordnung von Viktor E. Frankl, dem Begründer der Logotherpaie. Er kategorisiert Werte in drei Bereiche, welche das Streben des Menschen nach einem sinnerfüllten Leben in den Mittelpunkt stellen:

  • Erlebniswerte: bspw. Erleben, Begegnung, Genuss;
  • Schöpferische Werte: Kreativität, Leistung, „Arbeit“ und
  • Einstellungswerte: Verstehen und Verarbeiten.

 

Eine Schlüsselrolle kommt den Einstellungswerten zu. Durch sie ist der Mensch geprägt, wie er Erlebnisse interpretiert und damit seine Werterfahrungen manifestiert. Dieser Interpretationsspielraum ist Grundlage für Aktion des Menschen und damit seiner aktiven Lebensgestaltung, zugleich auch Grundlage für seine Reaktionen und damit passiven Begegnung auf Ereignisse: Ist der Mensch eher optimistisch oder pessimistisch, vergangenheits- oder zukunftsorientiert, sieht er sich frei für etwas oder abhängig von etwas?

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