Werte verbinden.

In den vielfältigen menschlichen Kulturen ist das Gewicht, welches dem Einzelnen, einer Gruppe, der Familie oder dem Staat beigemessen wird, sehr unterschiedlich. Zwischen den individualistischen, also den eher westlichen, und kollektivistischen Kulturen gibt es Unterschiede. Bei letzterer spielt bspw. der Wert der untersten sozialen Einheit, wie die Familie oder die engste Organisation, in welcher man arbeitet, eine größere Rolle als persönliche Entwicklung oder Verwirklichung. Bei individualistischen Kulturen begegnet uns ein umgekehrtes Bild: Der einzelne Mensch mit seinem Streben nach Selbstbestimmung steht im Mittelpunkt v. a. ökonomischer aber auch sozialer und politischer Bewegung.

In unserer (westlichen) Kultur sind diese individualistischen Werte stark ausgeprägt. Besonders durch die Aufklärung und den Überlegungen Kants, der Mensch solle sich seiner eigenen Mündigkeit bewusst werden, hat sich unsere Gesellschaft und Gemeinschaft entwickelt.

Neben der Kultur im weiteren Sinne hat insbesonders die eigene Familie und mit ihr die engere soziale Prägung einen großen Einfluss auf unsere Werteentwicklung. Die vermittelten Werte werden meist gar nicht diskutiert oder ausgesprochen – sie werden im Alltag gelebt. Viele Werte findet man in familiären Traditionen, Ritualen und Glaubenssätzen wieder.

 

Ist es wichtig, über Werte zu sprechen? Es kann sicherlich helfen, sich selbst und sein Umfeld besser zu verstehen, zu reflektieren und zu entwickeln. Lässt sich doch an der Gesellschaft täglich beobachten, wie wichtig diese Diskurse sind. Wir alle kennen Menschenrechte und sind als Kultur und Gesellschaft stolz darauf, diese „errungen“ zu haben. Doch wie oft werden sie täglich im Kleinen und Großen verletzt?

Wenn wir über Werte sprechen, kann man keinen Wert absolutistisch sehen. Wie im alltäglichen Miteinander ist ein Wertekonsens wichtig, ein abwägen und abstimmen über das Gewicht unserer Ansichten. So kann ein Wertekanon entstehen, welcher nicht nur Verhalten und Handlung, sondern auch Wachstum und Reife ermöglicht.

 

Welche Werte sind uns gemein? Eine Antwort auf diese Frage hat besonders Shalom Schwartz, ein israelischer Soziologe, geprägt. Er hat Werte definiert, die uns allen gleich sind, in ihrer Gewichtung aber unterschiedlich ausfallen. Er hat zehn Wertekategorien erarbeitet:

  • Selbstausrichtung: Das unabhängige Denken und Handeln einer Person
  • Stimulation: Das Streben nach Abwechslung, Vielfalt und Aktivierung der Sinne
  • Hedonismus: Die Freude an positiven, nachhaltigen Sinneserfahrungen
  • Erfolg: Der persönliche Erfolg, den man durch Selbstwirksamkeit erfährt
  • Macht: Der eigene soziale Status und dadurch verfügbare Macht
  • Sicherheit: Die Stabilität des sozialen Umfeldes und Beziehungen
  • Konformität: Das Streben, nach einem sozialen Rahmen zu handeln
  • Tradition: Die Verpflichtung, kulturelle und gesellschaftliche Rituale zu pflegen und Identität zu wahren
  • Güte: Das Wohlergehen anderer fördern, altruistisch handeln
  • Universalismus: Respekt und Toleranz gegenüber anderen Menschen und der Natur

Diese Werte prägen all unsere Kulturen und finden sich in ihnen in unterschiedlicher Ausprägung – und somit auch in unterschiedlicher Ausprägung in jedem einzelnen Menschen, in uns und denen, mit welchen wir täglich leben. Sie prägen unser Zusammenleben, kategorisieren es und machen es doch nicht immer leichter, im Kleinen und Großen einen Konsens zu finden. Das gehört ebenso zum menschlichen Sein.

Wie denken Sie dazu? Wie sind Ihre Erfahrungen?

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