Reflektierte Sprache

 

Wer spricht? – Auf wen hören wir?

 

Wir leben in teils populistischen Zeiten, zumindest wenn wir viele gesellschaftliche wie politische Themen verfolgen. Da werden Inhalte verkürzt dargestellt, da werden Sachverhalte auf ein wirksames, weil nach Aufmerksamkeit heischendes, Minimum zugespitzt, da werden vermeintliche Gegner mit Argumenten aus dem Ring gedrängt, um den eigenen, nicht immer haltbaren Argumenten mehr Raum geben zu können.

 

Was wird da gesprochen? – Auf was hören wir?

 

Um Menschen an seine Seite zu bringen oder zu ziehen, ist das populistische Wort und Vorgehen heute en vogue. Doch was wird da angesprochen? Wenn jemand von Ängsten spricht, von abstrakten Missverhältnissen, wenn jemand Verallgemeinerungen äußert, dann spricht er eine Seite im Menschen an, die leicht zu greifen ist. Gerade in komplexen Zusammenhängen, die gesellschaftliche und politische Themen oft sind, hilft Vereinfachung vermeintlich, Folgschaft zu schaffen. Welches Verhalten, welche Ebene und gar welche Instinkte werden da angesprochen? Demagogen und Opportunisten haben ein leichtes Spiel, auf diese Weise für sich zu interessieren.

 

Warum spricht es uns an? – Was ist unsere Antwort?

 

Diese Vereinfachung, Zuspitzung und immer öfter falsche Darstellung – oder: alternative Wahrheit – von Sachverhalten schürt ein Klassen- und Milieudenken, was kurzfristig dem Eigenen dient, nicht aber dem Ganzen. Nicht der Mehrheit einer Bevölkerung oder der Mehrheit einer Notwendigkeit. In unserer Zeit kommt die sachgemäße, natürliche Auseinandersetzung mit Dingen, Themen und Personen zu kurz. Die Verdichtung und Kompensierung unserer Zeit und unseres Zusammenlebens schafft Raum für falsche Tatsachen. So lässt man sich leicht zu einer Meinung, Haltung oder Aussage instrumentalisieren, die aber einer tieferen Betrachtung bedarf, bevor sie unseren Mund verlässt.

 

Schaffen wir es doch wieder, Worte zu reflektieren und unsere Kompetenz zu fördern, uns unseres eigenen Verstandes zu bedienen und diesen zu entwickeln. Diese Kant’sche Forderung ist doch heute aktueller denn je. Wenn wir sprechen, so sind wir im Dialog. Ich bin im Austausch mit einer anderen Person. Wenn jemand über etwas redet, dann ist das gar ein Monolog oder ein Gerede. Wer etwas sagt, der vertritt eine Forderung oder einen Standpunkt. Wer spricht, der schafft Raum für Wachstum und Miteinander.

 

Er ist verantwortlich. Er gibt im Sinne der Kommunikation eine Antwort auf das Verhalten anderer. Dazu bedarf es einer reflektierten Haltung, die Bereitschaft, sich zu hinterfragen und auch, den eigenen Standpunkt als Punkt auf einer Linie zu sehen.

Wie denken Sie dazu? Wie sind Ihre Erfahrungen?

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