Gut und böse, hell und dunkel, alt und neu, Feuer und Eis, jung und alt, nah und fern, Leben und Tod. Die Welt ist eine Welt der Polaritäten. Natürlich: Es braucht Gegensätze. Das eine kann nicht ohne das andere existieren, jede Beschreibung braucht auch eine Gegenseite.
„Ich kenne mich, ich weiß wer ich bin!“ Oder: „Du kennst mich am besten, wie siehst Du mich?“ – Sätze, die jeder von uns schon einmal gesagt haben dürfte. Doch wie gut kennen wir uns wirklich? Und inwiefern können uns andere kennen? Was braucht es, um sich selbst und jemand anderen wirklich zu kennen?
Zentral ist die eigene Perspektive auf sich selbst: „Wer bin ich?“ – Das ist unser Selbstbild. Die Umwelt kann helfen, dieses Bild zu entwickeln, zu vervollständigen, eine differente Betrachtung zu ermöglichen. Mit einer anderen Perspektive – möglicherweise wie ein Puzzle. Und: Unsere Sicht auf uns selbst, unser Selbstbild, interagiert auch immer mit unserem Bild von anderen.
Zu Macht haben sicherlich viele Menschen ein ambivalentes Verhältnis, da ihr zunächst meist eine negative Deutung zukommt. Macht gilt oft als etwas Unheimliches oder Anrüchiges.
So wird Macht oft gleichgesetzt mit der „Kraft des Stärkeren“, mit Macht im Hierarchieverständnis, in Unternehmen oder Staatsformen. Selbst in der Familie und im Freundeskreis treffen wir auf Machtverhältnisse: Wir sind konfrontiert mit Verhältnissen, die sich auf Stärke, Größe, Alter, Wissen, eine Funktion oder Status beziehen. Doch schauen wir bei uns selbst: Auch von uns geht Macht aus, an sich in jeder alltäglichen Interaktion.
„Der Mensch ist denselben Gesetzen unterworfen wie die Natur. Macht und Freiheit sind identisch.“
– Karl Marx
Um sich dem Thema „Macht“ zu nähern, kann Heinrich Popitz, ein deutscher Soziologe, weiterhelfen, welcher zu sozialen Normen, sozialen Rollen und Gewalt geforscht hat.
Wie viele Entscheidungen treffen wir am Tag? Es sind einige Tausend. Wir treffen Entscheidungen emotional, rational oder zufällig. Die meisten treffen wir automatisch, unbewusst. Nur wenige unserer eigentlichen Entscheidungen bedürfen einem Prozess, der uns bewusst beschäftigt.
Viele Entscheidungen fallen uns leicht, wenn wir bewusst abzuwägen haben. Über einige müssen wir nicht lange nachdenken, wenn unser Gehirn eine Entscheidung „für uns“ innerhalb kürzester Zeit fällt. Dazu greift es auf gelernte Erfahrungen aus der Vergangenheit zurück: Welche Strecke wähle ich, um zu einem bestimmten Ort zu kommen? Welche Dinge benötige ich, wenn ich frühstücken möchte?
Verstehen wir „das“ Fremde als das Gegenteil von Heimat, so eignen wir unserem Habitus schon als kleines Kind Formen von Fremdempfinden an. Erst sind Vater und Mutter tatsächliche Heimat. Dann die erweiterte Familie, Nachbarn, Bekanntschaften in Kindergarten und Schule – meist aus Straßen, die Kinder erst spät oder gar nicht erkunden. Sie sind vertrauter als Menschen in der eigenen Nachbarschaft, der eigenen Straße. So erhält Fremde auch eine Dimension von nah und fern. Etwas fremdes ist uns nicht geläufig, nicht vertraut. Obwohl etwas sehr fern ist, können wir es uns aneignen, uns nahbar machen. Ist nicht gar der Mond weit entfernt und jedem von uns ein Leben lang nicht erreichbar, hat jedoch für viele von uns etwas Vertrautes?
Wer spricht? – Auf wen hören wir?
Wir leben in teils populistischen Zeiten, zumindest wenn wir viele gesellschaftliche wie politische Themen verfolgen. Da werden Inhalte verkürzt dargestellt, da werden Sachverhalte auf ein wirksames, weil nach Aufmerksamkeit heischendes, Minimum zugespitzt, da werden vermeintliche Gegner mit Argumenten aus dem Ring gedrängt, um den eigenen, nicht immer haltbaren Argumenten mehr Raum geben zu können.






